Portfolio Tracker kostenlos für ETF und Aktien: 9 Buchungen
Portfolio Tracker kostenlos für ETF und Aktien: 9 Testbuchungen, die Doppelgewichtungs-Rechnung und fünf Grenzen, an denen Gratis-Tarife enden.

Für ein Depot aus ETFs und Einzelaktien entscheidet nicht der Funktionsumfang eines kostenlosen Trackers, sondern eine einzige Frage: Rechnet das Tool die Aktien, die bereits in deinen ETFs stecken, mit deinen Direktpositionen zusammen? Tut es das nicht, zeigt dir jede Gewichtungsgrafik eine zu niedrige Konzentration an – im Gratis-Zugang genauso wie im bezahlten.
Alles andere ist Komfort. Kursaktualisierung, Dividendenübersicht, App fürs Handy – schön, aber zwischen den Anbietern austauschbar. Die Durchschau (Look-through) trennt eine belastbare Vermögensübersicht von einer hübschen Kachel.
Die Rechnung, die dein Tracker vielleicht nicht macht
Das tatsächliche Gewicht einer Aktie in deinem Depot ist:
Direktposition + (ETF-Wert × Indexgewicht der Aktie im ETF)
Ein fiktives Beispiel, damit die Größenordnung sichtbar wird:
| Baustein | Betrag |
|---|---|
| Welt-ETF | 42.000 € |
| Technologie-ETF | 6.000 € |
| Einzelaktien gesamt | 12.000 € |
| davon Aktie A direkt | 5.000 € |
| Depot gesamt | 60.000 € |
Angenommen, Aktie A ist mit 4,8 Prozent im Welt-ETF und mit 12,0 Prozent im Technologie-ETF enthalten (beide Werte für dieses Beispiel gesetzt – deine echten Zahlen stehen im Factsheet des jeweiligen ETF). Dann steckt Aktie A indirekt mit 42.000 × 0,048 = 2.016 € und mit 6.000 × 0,120 = 720 € im Depot, zusammen 2.736 €.
Mit der Direktposition sind es 7.736 € oder 12,9 Prozent des Depots. Die Depotansicht ohne Durchschau meldet 5.000 von 60.000 € – also 8,3 Prozent. Die Lücke beträgt 4,6 Prozentpunkte; die reale Position liegt gut die Hälfte über dem angezeigten Wert.
Daraus folgt eine Auswahlregel, die du auf dein eigenes Depot anwenden kannst: Liegt dein ETF-Anteil über 50 Prozent und hältst du mehr als drei Einzelaktien aus Industrieländern, brauchst du entweder die Durchschau im Tool oder eine feste Nebenrechnung. Bei ein bis zwei Einzelpositionen rechnest du die zwei Zeilen schneller im Kopf, als du ein Tool einrichtest. Und wo die Durchschau im kostenlosen Umfang angeboten wird, ist sie häufig auf die zehn größten Positionen begrenzt – das steht meist nicht auf der Startseite, sondern in der Funktionsübersicht.
Neun Buchungen, an denen sich ein Tracker entscheidet
Feature-Listen vergleichen heißt Marketingtexte vergleichen. Schneller geht es mit einem immer gleichen Mini-Datensatz, den du in jedes Testkonto eintippst. Neun Buchungen reichen, und sie sind bewusst so gewählt, dass sie die typischen Bruchstellen eines gemischten ETF-/Aktiendepots treffen.
| # | Buchung | Was du dabei prüfst |
|---|---|---|
| 1 | Sparplankauf ETF, 0,4271 Anteile, 1,50 € Gebühr | Bruchstücke mit vier Nachkommastellen, Gebühr im Einstand oder separat |
| 2 | Zweiter Kauf desselben ETF drei Monate später | Mischkurs in einer Position statt zwei getrennter Zeilen |
| 3 | Aktienkauf in US-Dollar | Welcher Umrechnungskurs greift – Handelstag oder Abrechnungstag |
| 4 | Ausschüttung des ETF, 18,40 € | Ausschüttung getrennt von Kursveränderung ausgewiesen |
| 5 | Dividende einer US-Aktie mit einbehaltener Quellensteuer | Brutto- und Nettobetrag getrennt erfassbar |
| 6 | Aktiensplit 4:1 | Stückzahl mal vier, Einstand geteilt durch vier |
| 7 | Teilverkauf von 30 Prozent einer Position | Nach welcher Reihenfolge der Einstand ermittelt wird (FIFO oder Durchschnitt) |
| 8 | Storno einer Fehlbuchung | Löschen möglich oder nur Gegenbuchung |
| 9 | Depotübertrag ohne Kaufbeleg | Einstandskurs und -datum manuell nachtragbar |
Die Bestehensregel ist hart und braucht keine Interpretation: Nach den neun Buchungen muss die angezeigte Depotsumme auf den Cent zum Broker-Auszug passen, und die Rendite darf sich durch Buchung 6 nicht verändert haben. Ein Split verschiebt keinen Cent Vermögen. Ändert sich die Renditezahl trotzdem, verarbeitet das Tool Kapitalmaßnahmen falsch – dann kannst du keine der Performance-Zahlen daraus verwenden.
Rechne mit rund 20 Minuten pro Kandidat. Wer den Datensatz breiter aufziehen will, findet in unserem 12-Buchungen-Praxistest für kostenloses ETF-Portfolio-Tracking eine ausführlichere Variante mit Scorecard.
Vier Bauarten, vier verschiedene Bruchstellen
Kostenlose Depot-Software ist keine einheitliche Kategorie. Die Architektur bestimmt, wo es später klemmt – und die ist wichtiger als die Feature-Liste.
| Bauart | Wo die Daten liegen | Import | Wo es typischerweise eng wird |
|---|---|---|---|
| Lokales Desktop-Programm | auf deinem Rechner | CSV-/PDF-Auszüge, teils automatischer Kursabruf | Einrichtungsaufwand, Backups liegen bei dir, meist keine Handy-App |
| Gehosteter Webdienst | auf Servern des Anbieters | manuell, CSV, teils Bankanbindung | Zahl der Depots und Positionen, Analysetiefe, Länge der Historie |
| Depotansicht des Brokers | beim Broker | automatisch | nur dieses eine Depot, keine Konsolidierung mehrerer Banken |
| Tabellenkalkulation | bei dir oder in deiner Cloud | manuell | Kurse und Kapitalmaßnahmen pflegst du selbst |
Wer zwei Depots bei verschiedenen Banken hat, scheidet Zeile drei sofort aus – Konsolidierung ist der eigentliche Grund für ein separates Tool. Wer dagegen nur ein Depot führt und keine zeitgewichtete Rendite braucht, spart sich den Aufwand komplett. Welche Funktionen bei einer App darüber hinaus zählen, haben wir in ETF Portfolio Tracker App: Funktionen und Auswahl sortiert.
Fünf Zeilen, die du auf der Preisseite suchst
„Kostenlos" heißt bei Portfolio-Trackern fast durchgehend „kostenlos bis zu einer Grenze". Diese Grenze steht selten in der Werbung, aber meist in der Tarifübersicht. Fünf Punkte klären, ob der Gratis-Umfang für dich reicht:
- Zahl der Depots und Positionen im freien Zugang – zwei Depots mit 40 Positionen sind etwas anderes als ein Depot mit zehn.
- Historie: Lassen sich Käufe rückwirkend über mehrere Jahre erfassen, oder zeigt der Chart nur die letzten Monate?
- Export: Bekommst du deine Einzelbuchungen als CSV heraus – oder nur einen PDF-Report?
- Eingeschränkte Analysen: Länderaufteilung ja, Branchen nein, Durchschau nur Top-10 – solche Details entscheiden über den Nutzen bei gemischten Depots.
- Was nach einer Testphase mit den Daten passiert, wenn du nicht verlängerst.
Punkt 3 ist ein Ausschlusskriterium: Fehlt der Export der Einzelbuchungen, sind deine mühsam erfassten Daten in diesem Tool gefangen, und ein späterer Wechsel bedeutet Abtippen. Preise, Grenzen und Funktionsumfang ändern sich; lies sie auf der Tarifseite des Anbieters mit Datum nach, nicht in Vergleichstexten – auch nicht in diesem.
Wenn die Depotsumme nicht passt
Fast jeder Ersteinrichtung folgt eine Differenz zum Broker-Auszug. Drei Ursachen decken den Großteil ab: Gebühren, die mal im Einstandskurs und mal als eigene Buchung landen; Ausschüttungen, die als Barbestand gebucht werden, obwohl kein Verrechnungskonto angelegt ist; und Fremdwährungskäufe, bei denen Tool und Bank unterschiedliche Umrechnungstage verwenden.
Die Diagnose geht über die Größe der Abweichung. Liegt sie unter etwa 5 €, ist es in aller Regel eine Gebühren- oder Wechselkurszeile. Entspricht sie ungefähr einem glatten Positionsbetrag, fehlt eine ganze Buchung – meist der Depotübertrag ohne Kaufbeleg. Und wenn die Summe stimmt, die Rendite aber unplausibel wirkt, prüfe zuerst Ein- und Auszahlungen: Als Zuflüsse verbuchte Sparplanraten verfälschen jede Renditekennzahl.
Was du auch ohne Durchschau selbst auswerten kannst
Die Regionenaufteilung ziehst du aus den Factsheets deiner ETFs und gewichtest sie mit deinen Depotanteilen – zwei Spalten in einer Tabelle. Das Klumpenrisiko rechnest du mit der Formel weiter oben aus, und zwar nur für deine drei größten Einzelaktien; darunter lohnt der Aufwand selten. Beides zusammen dauert weniger als eine halbe Stunde und ersetzt für die meisten Privatdepots die kostenpflichtige Analysefunktion. Theorie verstanden? Dann rechne selbst.
Häufige Fragen
Gibt es eine kostenlose Portfolioanalyse für ETFs?
Grundfunktionen wie Regionen-, Branchen- und Währungsaufteilung sind bei mehreren Anbietern ohne Zahlung zugänglich. Die Einschränkung liegt meist nicht im „ob", sondern in der Tiefe: Eine Analyse über die zehn größten Positionen statt über den Vollbestand, oder nur ein Depot statt aller. Prüfe vor der Einrichtung, welche Bezugsgröße die Analyse verwendet.
Welcher Tracker passt zu welchem Depot?
Eine allgemein gültige Rangfolge gibt es nicht, weil drei Depoteigenschaften die Antwort bestimmen: Zahl der Banken, Anteil an Einzelaktien und die Frage, ob deine Daten das Haus verlassen dürfen. Bei mehreren Banken plus Datenschutzbedenken landest du bei lokaler Software; bei einem Depot und Wunsch nach Handy-App bei einem gehosteten Dienst.
Gibt es eine kostenlose Portfoliosimulation?
Unterscheide zwei Dinge, die beide „Simulation" heißen: Die Rückrechnung deiner heutigen Gewichtung auf historische Kurse und die Fortschreibung in die Zukunft. Rückrechnungen sind verbreitet und nützlich, um Schwankungsbreiten der Vergangenheit zu sehen. Eine Aussage über die künftige Entwicklung deines Depots lässt sich daraus nicht ableiten.
Reicht die Depotübersicht meines Brokers?
Wenn du alles bei einer Bank hältst, keine Positionen von früher nachtragen musst und mit der dortigen Renditeangabe zurechtkommst: Ja. Sobald ein zweites Depot oder ein Übertrag ohne Kaufbeleg dazukommt, brauchst du eine eigene Verwaltung – die Kriterien dafür stehen in Aktien portfolio verwalten kostenlos: Tools und Kriterien.
Womit du in fünf Minuten anfängst
Nimm den letzten Depotauszug und rechne die Doppelgewichtung für deine größte Einzelaktie aus – Direktposition plus ETF-Wert mal Indexgewicht. Liegt das Ergebnis mehr als drei Prozentpunkte über dem, was deine Depotansicht anzeigt, weißt du, welche Funktion beim Tool-Vergleich ganz oben steht. Liegt es darunter, ist die Toolfrage für dich zweitrangig, und die neun Testbuchungen entscheiden.