Portfolio Tracking Software: Der 9-Buchungen-Test
Portfolio Tracking Software auswählen: Neun Buchungsarten als Importtest, die Zwei-Zahlen-Probe nach dem Umzug und die Aufwandsrechnung für Automatik.

Portfolio Tracking Software führt mehrere Depots, Verrechnungskonten und einzelne Buchungen zu einer Vermögensübersicht zusammen und berechnet daraus Kennzahlen. Die Wahl entscheidet sich in der Praxis aber selten an der Feature-Liste, sondern an einer unspektakulären Frage: Nimmt das Programm deine bestehende Historie sauber auf? Wer das erst nach dem dritten Importversuch merkt, macht die Arbeit zweimal.
Warum der Import der eigentliche Auswahltest ist
Jedes Tool zeigt Kuchendiagramme. Kein Screenshot verrät dir, was passiert, wenn ein Sparplan 0,3421 Anteile kauft, ein Fonds fusioniert oder eine Position per Depotübertrag ohne Kaufdatum hereinkommt. Genau dort trennen sich die Programme.
Deshalb lohnt es sich, die Reihenfolge umzudrehen: Erst einen kleinen, absichtlich fiesen Testdatensatz importieren, dann über Oberfläche und Komfort urteilen. Zwanzig Minuten Test ersparen dir den Moment, in dem du nach sechs Wochen Pflege merkst, dass der Depotwert um vier Prozent danebenliegt und niemand mehr weiß, warum.
Vier Bauarten, vier unterschiedliche Schwachstellen
| Bauart | Wo die Daten liegen | Erfassung | Woran es typischerweise hakt |
|---|---|---|---|
| Lokale Desktop-Software (z. B. Open-Source-Programme wie Portfolio Performance) | Auf deinem Rechner, als Datei | CSV-Import, manuelle Buchung | Kein Zugriff vom Handy; Backup ist deine Aufgabe |
| Web-Dienst mit Depot- oder Banking-Anbindung | Beim Anbieter | Automatischer Abruf, teils CSV | Abhängigkeit von Schnittstellen, die einzelne Banken nicht bedienen |
| Self-Hosting (eigener Server oder NAS) | Bei dir, aber über den Browser erreichbar | CSV, teils Schnittstellen | Betrieb, Updates und Erreichbarkeit musst du selbst sicherstellen |
| Tabellenkalkulation | Datei oder Cloud-Speicher deiner Wahl | Vollständig manuell | Kapitalmaßnahmen und Fremdwährung musst du selbst modellieren |
Die Bauart legt fest, welche Probleme du bekommst — nicht, ob du welche bekommst. Wer zwischen den Kategorien schwankt, findet die Abwägung ausführlicher in Portfolio Performance Alternative: 5 Kriterien zur Wahl.
Neun Buchungsarten, an denen Software auseinanderfällt
Bau dir aus deinen eigenen Auszügen einen Testdatensatz mit diesen neun Fällen. Jeder davon prüft eine andere Stelle im Datenmodell.
- Kauf in Fremdwährung. Kaufkurs, Umrechnungskurs und Gebühr müssen getrennt speicherbar sein. Rechnet die Software nur den Eurobetrag mit, verlierst du die Währungsinformation dauerhaft.
- Sparplan-Bruchstück. Trägt das Feld für die Stückzahl vier Nachkommastellen oder rundet es auf zwei? Bei 0,3421 Anteilen entscheidet das über die Bestandsmenge.
- Teilverkauf. Prüfe, welcher Einstandswert nach dem Verkauf für den Rest stehen bleibt und ob du das Verfahren sehen kannst.
- Ausschüttung mit Abzugszeilen. Auf dem Auszug stehen Bruttobetrag und mehrere Abzüge. Kann die Software beides ablegen, oder kennt sie nur einen Nettobetrag?
- Aktiensplit. Nach einem Split ändert sich die Stückzahl, der Depotwert am Stichtag aber nicht. Läuft nach dem Import eine Sprungstelle in der Wertkurve, ist der Split als Kauf verbucht worden.
- Spin-off oder Einbuchung ohne Kaufpreis. Eine neue Position erscheint, ohne dass Geld geflossen ist. Programme ohne eigene Buchungsart dafür zwingen dich zu einem Fantasie-Kaufpreis.
- Depotübertrag. Die Position kommt mit Stückzahl, aber oft ohne Kaufdatum und ohne historischen Einstand. Kannst du beides nachtragen?
- Fondsfusion oder ISIN-Wechsel. Alte und neue Kennnummer müssen zu einer Historie verschmelzen, sonst hast du zwei halbe Positionen.
- Reine Geldbuchung. Einzahlung, Depotgebühr, Zinsen auf dem Verrechnungskonto. Diese Zeilen dürfen den Bestand verändern, ohne als Wertentwicklung zu zählen — sonst verzerren sie jede Kennzahl.
Die Fälle 5 bis 8 sind die interessanten. Kauf und Verkauf beherrscht jedes Programm.
Die Zwei-Zahlen-Probe direkt nach dem Import
Nach dem Import vergleichst du genau zwei Zahlen, beide auf denselben Stichtag:
- Depotwert. Summe der Depotauszüge gegen den Wert, den die Software anzeigt.
- Netto-Einzahlung. Alle Überweisungen auf die Verrechnungskonten minus aller Entnahmen, gegen die Einzahlungssumme im Programm.
Meine Arbeitsregel: Bis etwa 0,5 Prozent Abweichung beim Depotwert liegt es meist an Kursen, die zu unterschiedlichen Uhrzeiten gezogen wurden. Darüber steckt ein Buchungsfehler dahinter, und du findest ihn fast immer in den Fällen 5 bis 8 der Liste oben. Die Netto-Einzahlung dagegen sollte auf den Cent stimmen — sie hängt an keinem Kurs. Weicht sie ab, ist eine Geldbuchung doppelt oder gar nicht angekommen.
Diese Probe dauert fünf Minuten und ist der einzige Weg, einer Vermögensübersicht zu trauen, bevor du Entscheidungen darauf stützt.
Ab wann sich Automatik überhaupt rechnet
Zähl deine Buchungen, bevor du über Schnittstellen diskutierst. Zwei fiktive Profile zur Illustration, gerechnet mit einer angenommenen Erfassungszeit von 40 Sekunden pro Buchung — miss deine eigene an fünf Buchungen nach:
| Profil (fiktiv) | Buchungen pro Jahr | Aufwand bei 40 s/Buchung | Konsequenz |
|---|---|---|---|
| 3 Depots, 4 monatliche Sparplanraten, 6 Einzelkäufe, 12 Ausschüttungen, 8 Geldbuchungen | 74 | rund 49 Minuten | Manuelle Erfassung reicht; CSV-Import ist Komfort, kein Muss |
| 2 Depots, 9 wöchentliche Sparplanraten, 20 Ausschüttungen, 15 Geldbuchungen | 503 | rund 5,6 Stunden | Ohne Import oder Abruf bleibt die Pflege liegen |
Die Grenze liegt für mich bei ungefähr 250 Buchungen im Jahr. Darunter ist Handarbeit eine Frage der Disziplin, darüber eine Frage der Technik.
Der eigentliche Grund für automatische Erfassung sind ohnehin nicht die Minuten. Es ist der Rückstand: Wer drei Monate nicht nachträgt, sitzt vor 60 offenen Zeilen und fängt gar nicht erst an. Danach ist die Übersicht wertlos, obwohl die Software funktioniert.
Kennzahlen hängen am Buchungsmodell, nicht am Marketing
Zwei Programme können denselben Bestand zeigen und trotzdem unterschiedliche Renditezahlen ausweisen, weil sie Zahlungszeitpunkte unterschiedlich behandeln. Bevor du Werte zwischen Tools vergleichst, musst du wissen, welche Methode gerechnet wird und welche Buchungen einbezogen sind. Welche Kennzahl was misst, steht in Portfolio-Performance-Software: Kennzahlen und Auswahl erklärt.
Praktischer Prüfpunkt: Lässt sich die Berechnungsmethode in den Einstellungen sehen oder umschalten? Wenn nicht, kannst du eine abweichende Zahl später nicht erklären.
Depotverwaltung kostenlos: Wo die Grenzen üblicherweise sitzen
Kostenfreie Versionen unterscheiden sich weniger im Funktionsumfang der Startansicht als in den Grenzen dahinter. Diese fünf Stellen solltest du auf der Anbieterseite nachlesen, statt sie zu vermuten:
- Anzahl der Depots und Positionen
- Länge der gespeicherten Historie
- Import: Welche Dateiformate, welche Banken, wie viele Zeilen pro Vorgang
- Export: Rohdaten oder nur Auswertung
- Ob eine Funktion nach einer Testphase wegfällt
Open-Source-Programme lösen das anders als Freemium-Dienste: Der Funktionsumfang ist vollständig, dafür liegt der Betrieb bei dir. Welche Variante zu welcher Depotgröße passt, steht in Aktien portfolio verwalten kostenlos: Tools und Kriterien. Preise und Leistungsumfang ändern sich, prüfe sie vor der Entscheidung direkt beim Anbieter.
Datenhaltung klären, bevor du Zugangsdaten eintippst
Drei Fragen, die du vor der Registrierung beantworten können musst: Wo werden die Daten gespeichert, welche Art von Zugriff auf dein Depot wird verlangt, und wie bekommst du deine Daten wieder heraus, wenn du gehst? Ein reiner CSV-Upload ist etwas völlig anderes als die Eingabe von Bank-Zugangsdaten in eine fremde Oberfläche.
Wenn du Cloud-Dienste systematisch bewerten willst, hält das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Material zu Cloud- und IT-Sicherheit bereit.
Der Exit-Test, den kaum jemand vorher macht
Exportiere den Testdatensatz sofort wieder — bevor du zwei Jahre Historie pflegst. Kommt eine CSV-Datei mit Einzelbuchungen zurück, bist du beweglich. Kommt ein PDF-Bericht oder nur ein Screenshot der Auswertung, ist die Historie an das Tool gebunden; ein späterer Wechsel bedeutet dann Neuanlage von Hand.
Merkmal für einen brauchbaren Export: Er enthält Datum, Buchungsart, Wertpapierkennnummer, Stückzahl, Kurs, Gebühren und Währung in getrennten Spalten. Fehlt eine dieser Spalten, kann kein anderes Programm die Buchung vollständig rekonstruieren.
Der Fall, für den es keine saubere Lösung gibt
Bleibt ein Depotübertrag, zu dem dir die alten Einstandsdaten fehlen und die abgebende Bank keine Historie mehr liefert, hilft auch die beweglichste Software nicht. Dann triffst du eine Entscheidung statt einer Rekonstruktion: Setz einen Stichtag, buche die Position mit dem Kurs dieses Tages ein und notiere im Kommentarfeld, dass die Historie davor fehlt. Jede Auswertung, die weiter zurückreicht, ist damit unvollständig — und du weißt es, statt es zu übersehen.