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haushaltsbuchenergiekostenbudgetplanung 18. August 2026 7 Min.

Stromanbieter wechseln: Die Ersparnis zweimal rechnen

Der beworbene Wechselvorteil und der dauerhafte sind zwei Zahlen. Vier Bausteine getrennt gerechnet, ein fiktives Rechenbeispiel und warum der Vorteil erst später wirkt.

Stromanbieter wechseln: Die Ersparnis zweimal rechnen
Stromanbieter wechseln: Die Ersparnis zweimal rechnen

Wer den Stromanbieter wechseln will, bekommt zwei verschiedene Zahlen genannt: die beworbene und die dauerhafte. Der Unterschied ist kein Trick, sondern eine Rechenfrage. Der Vorteil besteht aus vier Bausteinen, von denen einer nur ein einziges Mal wirkt. Wer die vier trennt, bekommt eine Zahl, die auch im zweiten Jahr noch stimmt — und genau diese gehört ins Haushaltsbuch, nicht die aus der Anzeige.

Kurzantwort: Rechne den Vorteil zweimal: einmal für das erste Jahr mit Bonus und einmal für ein Folgejahr ohne. Die zweite Zahl ist die belastbare. Sie ergibt sich aus deinem eigenen Jahresverbrauch mal der Differenz der Arbeitspreise, plus der Differenz der Grundpreise — beide Werte stehen in deiner letzten Jahresabrechnung und im Tarifblatt des neuen Anbieters.

Die vier Bausteine der Ersparnis

Jedes Tarifangebot besteht aus denselben Teilen. Der Fehler passiert dort, wo sie zu einer einzigen Werbezahl verschmelzen.

BausteinWovon er abhängtWie oft er wirkt
Arbeitspreisdeinem tatsächlichen Verbrauch in Kilowattstundenjedes Jahr
Grundpreisnur vom Tarif, nicht vom Verbrauchjedes Jahr
Neukundenbonuseiner Vertragsbedingung im ersten Jahreinmalig
Preisgarantieihrer Laufzeit und ihrem Umfangzeitlich begrenzt

Die ersten beiden Bausteine tragen den dauerhaften Teil des Vorteils. Der dritte verschwindet nach einem Jahr. Der vierte sagt nichts über die Höhe, sondern darüber, wie lange die ersten beiden überhaupt gelten.

Warum der Bonus die Vergleichbarkeit zerstört

Ein Bonus wird in der Regel auf das erste Vertragsjahr gerechnet und lässt zwei Tarife gleich aussehen, deren laufende Preise weit auseinanderliegen. Zwei Angebote mit identischer Erstjahressumme können sich im zweiten Jahr deutlich unterscheiden — die eine Hälfte des Unterschieds steckt im Arbeitspreis, die andere im Grundpreis.

Deshalb ist die nützlichere Frage nicht „Welcher Tarif ist im ersten Jahr günstiger?", sondern „Welcher Tarif ist es ohne jeden Bonus?". Erst danach addierst du den Bonus als das, was er ist: ein Einmaleffekt im Wechseljahr.

Preisgarantie ist kein Preis, sondern eine Frist

Eine Preisgarantie gehört in dieselbe Zeile wie die Vertragslaufzeit und die Kündigungsfrist, nicht in die Preisspalte. Was sie umfasst, unterscheidet sich je nach Anbieter; die Verbraucherzentrale beschreibt die Bewertung von Tarifbestandteilen und Wechselangeboten in ihrem Überblick zu Preisen, Tarifen und Anbieterwechsel. Prüfe im Tarifblatt, welche Bestandteile von der Garantie erfasst sind und welche ausdrücklich nicht.

Die Rechnung an einem fiktiven Beispiel

Alle folgenden Werte sind frei gewählte Rechenvariablen, keine Marktpreise und keine Prognose. Setze deine eigenen Zahlen aus der Jahresabrechnung ein.

Angenommen, dein Jahresverbrauch beträgt 2.800 kWh. Der alte Arbeitspreis liegt bei 34 Cent, der neue bei 30 Cent. Der alte Grundpreis beträgt 12 € im Monat, der neue 9 €.

  • Arbeitspreis-Differenz: 34 − 30 = 4 Cent je kWh, also 2.800 × 0,04 € = 112 € im Jahr.
  • Grundpreis-Differenz: 12 − 9 = 3 € pro Monat, also 3 × 12 = 36 € im Jahr.
  • Dauerhafter Vorteil im Beispiel: 112 + 36 = 148 € pro Jahr.
  • Erstes Jahr mit einem angenommenen Bonus von 80 €: 148 + 80 = 228 €.

Die 148 € aus dem Beispiel sind die Zahl fürs Haushaltsbuch, die 228 € die Zahl aus der Werbung. Beide sind richtig — sie beantworten nur verschiedene Fragen.

Der häufigste Rechenfehler

Er steckt im Verbrauch, nicht im Preis. Viele setzen den Standardwert eines Vergleichsrechners ein statt des eigenen Verbrauchs aus der letzten Jahresabrechnung. Weicht dein tatsächlicher Verbrauch um ein Viertel nach unten ab, schrumpft der Arbeitspreis-Anteil im gleichen Verhältnis — der Grundpreis-Anteil dagegen bleibt unverändert.

Daraus folgt eine Faustregel, die sich an den Beispielzahlen von oben nachvollziehen lässt: Welcher Baustein den Ausschlag gibt, hängt am Verbrauchsprofil.

Verbrauchsprofil im BeispielWas den Ausschlag gibtWorauf du im Tarifblatt zuerst schaust
Ein-Personen-Haushalt, niedriger VerbrauchGrundpreis, weil er unabhängig vom Verbrauch anfälltmonatlicher Grundpreis, danach der Arbeitspreis
Familie mit mittlerem Verbrauchbeide Bausteine ungefähr gleichgewichtigbeide Werte zusammen in die Rechnung von oben
Haushalt mit Wärmepumpe oder LadepunktArbeitspreis, weil jede Kilowattstunde zähltArbeitspreis, dann die Laufzeit der Preisgarantie

Die Zuordnung ist nicht exakt, sondern eine Reihenfolge fürs Prüfen. Rechnen musst du in jedem Fall mit deinen eigenen beiden Werten.

Warum die Ersparnis im Haushaltsbuch oft unsichtbar bleibt

Hier endet die Tarifrechnung und beginnt die Budgetfrage. Ein Wechsel senkt zunächst nichts, was du monatlich siehst: Der Abschlag ist eine Vorauszahlung, die du oder der Anbieter festlegt. Bleibt er nach dem Wechsel gleich hoch, verschiebt sich der Vorteil in die nächste Jahresabrechnung und taucht dort als Guthaben auf — zwölf Monate später, in einem Monat, in dem du längst nicht mehr an den Wechsel denkst.

Daraus folgen zwei Dinge für die Planung. Erstens ist der Abschlag eine eigene Entscheidung und keine Folge des Wechsels: Prüfe nach dem Wechsel, ob er zu deinem Verbrauch passt, statt ihn unverändert zu übernehmen. Zweitens braucht der Vorteil einen Termin und keine Zeile — trage das erwartete Datum der nächsten Jahresabrechnung ein und prüfe dort, ob die gerechnete Zahl eingetroffen ist.

Wer den Wechsel als Position in einer Monatsübersicht führen will, legt ihn deshalb sinnvollerweise als jährliche Zeile mit Fälligkeitsdatum an und nicht als monatliche Kürzung — so wie jede andere unregelmäßige Position auch, siehe Budgetplaner online kostenlos: Einnahmen und Ausgaben im Griff. Ein zu hoch angesetzter Abschlag ist übrigens kein Verlust, sondern eine zinslose Vorauszahlung, die als Guthaben zurückkommt. Ob dir das lieber ist als ein passgenauer Abschlag, ist eine Frage deiner Liquiditätsplanung und nicht der Tarifwahl.

Notiere diese sechs Werte, bevor du vergleichst

  1. Den Jahresverbrauch in Kilowattstunden, abgelesen aus der letzten Jahresabrechnung statt geschätzt.
  2. Den aktuellen Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde.
  3. Den aktuellen Grundpreis pro Monat.
  4. Deinen laufenden Abschlag und das Datum, an dem die nächste Jahresabrechnung fällig wird.
  5. Kündigungsfrist und Vertragsende — beides entscheidet über den frühestmöglichen Wechseltermin.
  6. Zählernummer und Zählerstand am Wechseltag.

Mit den ersten drei Werten rechnest du den dauerhaften Vorteil. Der vierte entscheidet, wann du ihn siehst. Die letzten beiden brauchst du für den Wechselvorgang selbst.

Wo diese sechs Werte stehen

Alle sechs stehen auf zwei Dokumenten, und beide hast du bereits. Die Jahresabrechnung führt Verbrauch, Arbeitspreis und Grundpreis getrennt auf — meist auf der zweiten Seite unter der Verbrauchsübersicht, nicht auf dem Deckblatt mit der Endsumme. Der Abschlagsplan oder die letzte Abschlagsmitteilung nennt Höhe und Rhythmus der Vorauszahlung sowie den Abrechnungszeitraum, aus dem sich das Datum der nächsten Abrechnung ergibt.

Kündigungsfrist und Vertragsende stehen im Vertrag oder im Kundenkonto des Anbieters. Zählernummer und Zählerstand liest du am Zähler ab; die Nummer steht zusätzlich auf jeder Abrechnung. Fotografiere den Zählerstand am Wechseltag — es ist der einzige Wert der Liste, den du später nicht rekonstruieren kannst.

Wenn eine dieser Angaben fehlt, ist das kein Grund, mit Schätzwerten zu rechnen. Eine Rechnung mit geschätztem Verbrauch liefert eine Zahl, die genauso ungenau ist wie die Schätzung — und du hast dann zwei Unsicherheiten statt einer.

Häufige Fragen

Welche Zahl gehört in mein Haushaltsbuch — die mit oder ohne Bonus?

Die ohne Bonus, als jährlich wiederkehrende Position. Den Bonus führst du separat als einmaligen Eingang im Wechseljahr. Sonst planst du ab dem zweiten Jahr mit einem Betrag, den es nicht mehr gibt.

Warum weicht meine gerechnete Zahl von der des Vergleichsportals ab?

Meist an einer von drei Stellen: hinterlegter Standardverbrauch statt deines eigenen, unterschiedliche Behandlung des Bonus oder ein Tarif, dessen Bedingungen sich seit dem Aufruf des Rechners geändert haben. Vergleiche zuerst den eingesetzten Verbrauch — das erklärt die meisten Abweichungen.

Wie oft lohnt sich die Rechnung?

Als Anlass eignet sich die Jahresabrechnung, weil dort alle nötigen Werte auf einem Blatt stehen. Ein fester Termin im Kalender führt eher zu einer Prüfung als der Vorsatz, es bei Gelegenheit zu tun.

Was ist mit automatischen Wechseldiensten?

Sie nehmen dir den Vorgang ab, ändern aber nichts an der Rechenlogik oben — auch dort bleibt die Frage, welcher Teil des ausgewiesenen Vorteils dauerhaft ist. Die Stiftung Warentest hat solche Dienste in einem eigenen Test untersucht; die Bewertungskriterien dort sind ein guter Ausgangspunkt für die eigene Prüfung.

Kristian Hoffmann

SaaS founder and operator

Kristian Hoffmann builds and operates small SaaS products for business, finance, and performance analysis. He focuses on practical software, clear workflows, automation, and SEO-driven product growth.